In einer kurzen Zeit zwischen Herbst und Winter konnte am Kurischen Haff nicht richtig gefischt werden. Es war der Zeitpunkt der Eisbildung auf dem Fluss und dem Haff. Wie auch die Eisschmelze im Frühjahr wurde diese Zeit "Schaktarp" genannt. Das Eis trug noch nicht an allen Stellen, um es mit schweren Fanggerät und dem Eisschlitten problemlos zu betreten. War aber anderseits schon zu stark, um es noch mit den Keitelkähnen zu befahren, ohne dabei Material und Menschen zu gefährden. Die richtige Zeit, um dann mal wieder die Arbeiten an Haus und Hof vorzunehmen, sich abends mit den Nachbarn beim wärmenden Getränk "Meschkinnies" - ein ostpreußischer Bärenfang - zu treffen und sich alte und neue Geschichten zu erzählen.
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So gelang es an einem Tag bis zu fünf Zentner Quappen, Brassen und andere leckere Fische wie Zander nach Hause zu schaffen. In Vorfreude auf die frisch gebraten Delikatessen am Abend lief schon so manchen hier draußen das Wasser im Munde zusammen und ließ die Kälte vergessen. Nicht alles konnte oder sollte frisch verzehrt werden. Um später die appetitlichen Leckerbissen zu genießen, wurden die Brassen zum Räuchern aufgehängt. Auch legte man die Fische gerne in Fässer sauer ein, wodurch der bestimmte eigentümliche Geruch in den Fischerdörfern am Kurischen Haff herrührte. Und was nicht selber benötigt wurde, konnte für gutes Geld im Dorf oder sogar in die weitere Umgebung verkauft werden. Noch einfacher konnten die Quappen auf den breiten Wiesen neben den Flüssen gefangen werden. Die Wiesen wurden im Herbst bis zu den Wäldern überflutet, was auch das fruchtbare Land erklärte. Das Wasser, was nicht mehr bis zur Eisbildung ablaufen konnte, bildete rasch eine spiegelglatte glasklare Eisfläche. Unter der Eisschicht war allerdings immer noch 30-50 cm stehendes Gewässer, welches selten bis zum Boden gefror. Dort im flachen Wasser lagen gerne die Quappen und waren für alle sehr gut sichtbar. So konnten hier die Fische noch einfacher aufgestöbert und eingebracht werden.
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1) Das Rezept für den ostpreußischen Bärenfang entstammt dem Ostpreußen-Forum
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